Herzlich willkommen.
Martin Korte: Was haben Sie eigentlich heute gelernt?
Ich habe noch nicht – das war denn so der Moment – jetzt hab’ ich das gelernt. Ehrlich gesagt, ich habe einen Krimi gehört, und in diesem Krimi werden Zusammenhänge aufgedeckt, um zu zeigen, dass wahrscheinlich an einem Selbstmord kein Selbstmord war. Und es ist tatsächlich so geschickt gestrickt, dass die Fäden zusammenlaufen, dass sich somit dem ermittelnden Kommissar Zusammenhänge in diesem Fall erschließen, die ich vorher nicht hatte. Und gleichzeitig habe ich auch einige Facetten von Personen in diesem Roman besser kennengelernt, die ich vorher so nicht gesehen habe. Ich habe das Gefühl, dass – obwohl es eine Autofahrt war – ich richtig was über Menschen und Zusammenhänge gelernt habe, auch wenn diese fiktiver Natur waren. Versuche ich, das ein bisschen fortzusetzen?
Sie sagen, Sie haben ja ein bisschen was über Personen und die Struktur gelernt. Was meinen Sie aber, wenn Sie jetzt das Wort Lernen benutzen, in diesem Zusammenhang? In dem Fall mal nicht, dass ich auf der einen Seite neue Erkenntnisse gewonnen habe, die in meinem Gehirn dazu geführt haben, dass Verschaltungseigenschaften von Nervenzellen sich auf die Art geändert haben, dass – wenn ich nicht das Buch wieder aufschlage oder weiterhöre – ich die Personen anders wahrnehme, mich also auch erinnern kann an das, was dort abgespeichert wurde. Das heißt, die Erkenntnisse sind nicht einfach nur in meinem Kopf und schlummern, sondern ich kann sie auch wieder abrufen, kann sie einsetzen, konnte ihn gerade autobiografisch darüber berichten, was ich erlebt und gehört hatte.
Und all das schwingt bei dem Begriff Lernen eben mit. Wenn Sie das weiter so erzählen, geht mir durch den Kopf: Also, wie gesagt, Sie speichern, Sie können sie mir erzählen. Das hat etwas mit Wissen zu tun, vielleicht Erinnern. Mit Wissen ist Lernen: Wissen speichern? Oder beginnt Lernen erst, wenn auch das Wort Verstehen hinzukommt?
Ja, Lernen beginnt schon, wenn Informationen, die aus der Welt in unserem Kopf gelangen, die Eigenschaften der Nervenzellen, die diese Informationen verarbeiten, in ihren Verschaltungseigenschaften verändern. Ganz viel von diesen Veränderungsprozessen sind unbewusster Natur, haben nichts mit dem im engeren Sinne Verstehen zu tun, also mit dem bewussten Nachdenken. Sondern wir lernen zum Beispiel visuell unglaublich viel darüber, wie unsere Welt gestaltet ist, wie sie aufgebaut ist. Wir haben ganz viele Gewohnheiten abgespeichert, die nichts mit Verstehen zu tun haben, sondern was mit Mustererkennung zu tun haben und damit, dass, wenn wir diese Muster wiedersehen, wir sie sicher wiedererkennen können. Wir können Gesichter schnell wiedererkennen, die wir schon mal gesehen haben. Wir haben ganz viel Routine und Gewohnheiten abgespeichert, sodass man sogar vom prozentualen Anteil des Speicherplatzes her sagen muss, dass das, was wir im engeren Sinne als Lernen mit Verstehen, mit Erkenntnis meinen, sogar wahrscheinlich nur 20 Prozent unseres Gedächtnisses ausmacht. Und 80 Prozent eher Gewohnheiten, Routinen und Veränderungen in unserer Wahrnehmung.
Lässt 20 Prozent noch ein bisschen ausgehen – ist das ein Lernprozess, das Verstehen? Wie würde man Verstehen erklären? Ist das Lernen, oder ist das das Gelernte mit etwas anderem Gelernten zusammenbringen?
Oder ist es noch eine Meta-Ebene, nämlich dass ich vieles gelernt habe und dass ich es nicht nur jetzt verhalte, sondern dass ich daraus etwas ganz Anderes, Eigenes mache, was nur mein Eigenes ist? Also der Begriff Verstehen ist ein ganz schöner, noch vielfältigerer Begriff. Auf der einen Seite kann er mit Erkenntnis assoziiert werden.
Das bedeutet, ich habe verschiedene Informationen – vielleicht auch zu verschiedenen Zeitpunkten meines Lebens – erworben und verbinde sie jetzt miteinander, um eben einen neuen Gedanken formen zu können. Das heißt, ich habe im Grunde mein Gedächtnis verwendet, neu einlaufende Informationen, um daraus eine Schlussfolgerung zu ziehen, um etwas – zum Beispiel in dieser Welt – besser verstehen zu können. Das würden wir auch als Lernen bezeichnen.
Auf der anderen Seite gibt es – Sie haben das angedeutet – das inkrementelle Lernen und Verstehen, wo wir nach und nach immer mehr Informationen über die Welt, über eine Geschichte oder beim mathematischen Zusammenhang bisher am Ende die Beweisführung verstehen, die Formelherleitung verstehen oder den Rechenweg verstehen können. Und das können ganz viele kleine Schritte sein, in denen wir in jedem dieser Schritte etwas gelernt haben, also neue Informationen gespeichert haben, sie in ein bestehendes Wissensnetz in unserem Kopf abgespeichert haben und das dann irgendwann so abrufen können, dass wir die komplette logische Handlungsfolge wiedergeben können oder eine komplette Geschichte wiedergeben können. Oder von der Biologie ausgehend, indem wir zum Beispiel die Physiologie des Körpers hin, sich die des Blutdrucks erlernen, wiedergeben können. Also verschiedene Dinge sind da denkbar.
Es gibt auch die Möglichkeit, dass uns das Verstehen überfällt, so wie bei einem kreativen Akt, wo wir gar nicht verstehen, wieso wir jetzt auf einmal einen ganz neuen Gedanken haben, der uns dazu bringt, dass wir ganz anders über einen Sachverhalt nachdenken, als wir je darüber nachgedacht haben. Also auch das ist mit unseren Gehirnen möglich. Da ist es nicht inkrementell, sondern da wird die Information aus ganz verschiedenen Gebieten wie hier in einem Moment zusammengefügt, so wie ein Blitzlicht, was einen erreicht. Und auch das kann mit dem Begriff Verstehen verbunden sein.
Bei dem Psychiater Manfred Spitzer sagt Zitat: „Lernen geschieht automatisch, immer dann, wenn das Gehirn Informationen verarbeitet, also immer, wenn es wahrnimmt, denkt oder fühlt. Und unser Gehirn lernt immer, es tut übrigens nichts lieber und kann gar nichts anderes – ein ganzes Leben lang.“ Stimmt das? Es stimmt insofern, als dass es widerspiegelt, dass, wenn wir immer etwas denken oder etwas erleben, Nervenzellen aktiv werden, die frischen, ganze Netzwerke. Um diese Netzwerke verändern sich aufgrund der eingehenden Aktivität. Das heißt, auf der Ebene der Netzwerke und der Nervenzellen ist die Aussage ganz richtig. Und muss noch ein bisschen aufpassen.
Der Begriff Lernen ist ja zum Beispiel im Schulkontext, im Bildungskontext anders besetzt. Da geht es darum, in einem bestimmten Kontext Neues zu lernen, was andere möchten, dass wir das lernen. Und da funktioniert das Lernen überhaupt nicht selbstverständlich. Und da ist es auch nicht so, dass jede Schule, jede Lerneinheit, jede Fortbildung mit neuen Erkenntnissen und mit Lernen von Neuem verbunden ist, sondern da fällt es uns dann deutlich schwerer.
Sie gerade umarmen und sagen: „Wie recht Sie haben!“ Es fällt den Kindern so unendlich schwer, an einem Tag sehr strukturiert ganz bestimmte Fächer, ganz bestimmte Informationen zu verarbeiten, sie sich zu merken.
Die Frage ist immer auch: Wozu und warum? Und ganz interessanterweise ist aber auch da, sobald eine gewisse Grundlage gelegt ist, fällt das Lernen leichter, macht auch mehr Spaß. In welchem Zusammenhang ist in diesem Thema Erfolg und Lernen? Erfolgserlebnis und Lernen stehen in einer Korrelation. Ihr Erfolg und Lernen hängen ganz eng miteinander zusammen, weil das Gehirn seine Aufnahmebereitschaft und seine Speicherfähigkeit danach justiert, zum einen, was es glaubt, bewältigen zu können – also: Glauben wir, eine Situation bewältigen zu können?
Und da sind im Grunde Rechenprozesse im Gehirn, die vonstattengehen, wo vorherige Situationen eingehen. Das heißt, wir brauchen Erfolgserlebnisse, um dann in einer zukünftigen, vielleicht auch schwierigen Situation bereit zu sein und mit unserer ganzen Geisteskraft, in der ganzen Kapazität, diesem Problem zu widmen.
Nehmen wir den Schulunterricht: Wenn man 3-4 Mal in einem bestimmten Fach ein Erfolgserlebnis gehabt hat – vielleicht gibt es ja sogar mal die uncoole Situation, dass Schüler nachher gesagt haben: „Man, sowas ja toll!“ Dabei machen Schüler nicht gerne untereinander Komplimente. Aber wenn das mal passiert, hat das einen Effekt: Es werden Botenstoffe ausgeschüttet, die den Gesamtkontext der Lernsituation positiv besetzen und die das Gehirn darauf vorbereiten, wenn es wieder an einer solchen Situation ist. Und wenn es richtig schwierig wird, wer also herausgefordert werden will, auch bereit sein, diese Schwierigkeit anzunehmen und dann mit verschiedenen biochemischen Turboladern im Gehirn diese Situation zu bewältigen.
Deswegen sind eben Erfolgserlebnisse beim Lernen so unglaublich wichtig. Das andere, was so wichtig ist: Ich brauche dafür Ziele. Ich muss ja auch wissen, wann habe ich mein Ziel erreicht. Ich brauche Zwischenziele. Ich muss wissen, wofür etwas stattfindet. Und noch das, was Sie gerade angedeutet haben: Für Kinder ist wichtig zu wissen, wofür und warum ich etwas mache. Mal ist es der soziale Kontext, der einen antreibt, mal ist es etwas in der Welt, was man verstehen möchte, mal ist es einfach ein interessantes Problem, was der Lehrer so spannend in eine Geschichte packen kann, dass man wirklich jetzt wissen möchte: Wie erklärt sich das denn jetzt, dass der Korken aus der Flasche liegt? Oder dass in bestimmten geschichtlichen Situationen Länder miteinander in Streit geraten sind. Verschiedene Situationen sind denkbar.
Und da sind wir zum Beispiel für Erzählungen unglaublich empfänglich. Wenn der Lehrer und die Lehrerin den Stoff in einer Erzählung packt und uns dann bittet, diesen Stoff entweder zu erklären oder weiterzuspinnen, dann sind wir eher bereit, mit etwas Neuem zu lernen, das abzuspeichern und uns aktiv einzubringen. Erzählungen – das ist ganz spannend – werden ja auch teilweise in Bildhaftigkeit gemacht. Die Bildhaftigkeit von etwas, was neu ist, ummantelt wird mit Sinnlichem, auch, wie gesagt, Bildern. Desto leichter scheint der Mensch das, was er unter Lernen versteht, und gleichzeitig das Verstehen dessen, was erlernt wird, die Einordnung auszuarbeiten: Woher kommt das? Ist das etwas sehr Ursprüngliches? Dass diese Sinnesorgane, die sich beschäftigen mit Bildern, mit dieser Fantasie, eine sehr starke Dominanz tragen in Lernprozessen.
Zum einen sind wir tatsächlich sehr visuell orientiert. Wir haben wahrscheinlich fünfzig verschiedene Gehirnareale, die so verschiedene Aspekte unseres Systems verarbeiten. Viel wichtiger als fürs Lernen ist jedoch, dass wir auch ein unglaublich gutes visuelles Gedächtnis haben, was sehr effektiv in der Lage ist, Bilder zu speichern.
Jeder kennt das von seinem Computer und von Kameras: Man kann tausende, zehntausende von Buchseiten abspeichern, und dann hat man ein Bild gemacht – die nehmen genauso viel Platz ein. In unserem Gehirn ist es so effektiv gespeichert, dass wir tausende, hunderttausende von Bildern abspeichern können. Ja, mal so ein extrem effektives, ein gutes visuelles Gedächtnis. Und das können wir assoziativ immer benutzen, um uns dann eben an unsere Fakten zu erinnern, indem wir sie im Bilde aneinanderreihen und mit diesen Bildern zusammen versuchen, trockene Informationen zu merken.
Man sieht das auch innerhalb der Sprache: Metaphorik, dass man etwas metaphorisch ausdrückt, indem man halt etwas Bildhaftes mit etwas Konkretem verbindet und das Bild als Vehikel benutzt, um sich erinnern zu können. Das heißt, was wir hier bei dieser bildhaften Darstellung uns eben zunutze machen, ist die effektive Art des Gehirns, mit Bildern umzugehen, unseren riesig großen visuellen Speicher zu verwenden und dem dann assoziativ einzusetzen, um eben Fakten miteinander in Beziehung zu setzen.
Bricht ein Wort sich immer im Hintergrund mit, wenn wir das diskutieren, nämlich Gedächtnis, Erinnerung. Also ich nehme mich mal: Ich haute mich – ich kann mir keine Zahlen merken, ich kann mir keinen Namen nennen. Ich kann mir eigentlich auch keine Fakten in dem Sinne merken. Ich kann es lesen, ich kann mich damit beschäftigen, und trotzdem ist da nichts, was übrig bleibt. Andere können das ganz perfekt und können über diese Art von Lernen sehr viel mehr Wissen verarbeiten. Ich gehe von derselben Intelligenzleistung aus. Also beide können etwas verarbeiten. Ich verarbeite und sitze jetzt hier und kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, was und die ich genau gelesen habe, nachgedacht habe, um mit Ihnen dieses Gespräch zu führen.
Welche Bedeutung hat dieses Gedächtnis sowohl in seiner schlafenden Wirkung als auch dann in seiner reaktivierten Wirkung, wenn es um Lernen und Ergebnisse von Lernen geht? Erst mal sehr genau unterscheiden: Ob man selber bestimmte Fakten abrufen kann, ohne dass ein externer Reiz von außen gegeben wird – das ist tatsächlich nur für Sie, das ist für jeden Menschen schwierig.
Dann kommt es darauf an, ob man Detailwissen abspeichert. Da gibt es tatsächlich Typunterschiede. Da gibt es Talente, wo Menschen halt sehr schnell ins Detail gehen können, sich viele Fakten merken. Dafür fällt es denen dann schwerer, weil oft zahlt man dafür einen Preis: das große Ganze zu sehen.
Das heißt, wenn wir Schlussfolgerungen ziehen wollen aus den vielen Fakten und Informationen, die wir ziehen – wir sagen so ein bisschen: So Menschen, sagt man, den Begriff ist – das heißt, wir versuchen so den Dunst, denen das Wissen umgibt, zu extrahieren, müssen uns damit gar nicht um das kümmern, was im Nebel liegt. Aber das, was wir daraus an Schlussfolgerungen ziehen können, kann sehr, sehr klug sein. Und tatsächlich geht das aus dem hervor, was wir gelesen haben, und es ist nicht beliebig. Also um dieses sozusagen große Ganze im Kopf zu haben, ist es dann auch gut, sich nicht nur auf die Fakten zu kaprizieren, weil die häufig dem großen Ganzen, den Schlussfolgerungen, im Wege stehen.
Es ist zum Beispiel eine sehr effektive Art des Denkens, wenn man Oberbegriffe hat, abstrakte Begriffe hat. Häufig kann man die sogar, wenn man möchte, nutzen, um daran die einzelnen Fakten anzuhängen. Oder nehmen wir an, dass das bei Ihnen auch so ist: Wenn man im Gespräch ist und dann der Gegenüber bestimmte – Moment, bestimmte Stichwörter nennt, dann ist durchaus all das, was man gelesen hat, als Wissen verfügbar, sodass man darauf eingehen kann, das zitieren kann und sich dann eben doch zeigt, dass das, was man gelesen hat, mich nicht völlig an einem vorbeigegangen ist, sondern auf einen Hinweisreiz hin abrufbar ist. Und auch hier unterscheiden sich Menschen sehr stark.
Wobei man insgesamt sagen muss – auch was unser autobiografisches Gedächtnis angeht –, ist es ein bisschen beunruhigend, wie viele Zufallsbegebenheiten dazu führen, dass wir Dinge wieder abrufen können, und wie beängstigend das manchmal dann ist: Dass man vor 3, 4, 15 Jahren etwas gedacht hat, es kommt ein bestimmter Geruch, eine bestimmte Musik, und dann kann man sich ganze Lebensepisoden ausmalen, erinnern, wo man sich fragt: Wieso habe ich das nicht viel häufiger erinnert? Ganz spannend. Bei gerade diesen Erinnerungen, die Sie beschreiben, ist ja das größte Täuschungsmanöver: Das Gedächtnis und die Erinnerung sind immer manipulativ, verändern sich. Das, was ich an mich erinnern oder an dem Leben erinnern kann, muss überhaupt nichts mit der Realität zu tun haben.
Was ist das für ein Prozess, wenn wir das auch mit Lernen jetzt nehmen – also nicht nur praktisches Lernen: 1 und 1 ist 2 –, sondern das Lebenslernen? Auf das kann ich mich eigentlich verlassen als jemand, der 30, 40, 50 wird und sagt: Ich habe in meinem Leben viel gelernt, also auch das, was Leben bedeutet. Aber wenn ich mich dann erinnere oder begründe aus der Erinnerung heraus – also: Vor 20 Jahren habe ich schon diesen Fehler gemacht –, dann kommt eine Geschichte heraus, die überhaupt nichts mit damals zu tun hat. Was sind diese Täuschungen? Gegen Täuschungen? Wie der Täuschungen Erinnerungen drei Tage später, wo ich das Gegenteil wieder in Erinnerung erzählen würde, was ich Ihnen jetzt gerade erzählt habe?
Was ist dieses Wirrwarr, dieser Mischmasch, diese Selbsttäuschung eigentlich? Und das ist es dann wert, wenn Leute sagen: Ich habe gelernt. Muss man das ein bisschen einfangen, was Sie gesagt haben. Auf der einen Seite ist es richtig, dass unser Gedächtnis sich verändert, wenn immer wir es wieder abrufen. Das heißt: Wenn wir etwas – wenn wir eine Erinnerung erzählen oder daran denken –, wird sie neu wieder abgespeichert, und dabei kann – sie muss nicht, aber sie kann sich dabei verändern –, sodass man dem, was Sie gerade beschrieben haben, tatsächlich recht geben muss. Es ist so, dass die Gedächtniserinnerungen, die wir haben – sowohl in Fakten als auch in autobiografischen Erinnerungen –, in den äußeren Bereichen ausgefranst sein können, veränderlich werden, so ein bisschen wie eine Wikipedia-Seite, die sich weiterschreibt. Das macht evolutionär auch Sinn, denn für uns ist nicht die konkrete Erinnerung an eine konkrete Situation wichtig, sondern für uns ist wichtig, wie wir das letzte Mal diese Situation erlebt haben. Und mir das erlauben einen Ausflug in die Evolution: Wir haben die Wasserstelle und haben einmal an dieser Stelle einen Löwen gesehen, der unser Todfeind ist. Also meiden wir die Wasserstelle.
Wir sind aber wohl beraten, ab und zu noch einmal wieder nachzuschauen, ob der Löwe noch da ist. So: Wenn wir jetzt zehnmal schauen und er ist nicht mehr da, wird neu abgespeichert, dass die Wasserstelle zumindest schon mal wieder sicherer ist. Der Löwe wird nicht unbedingt vergessen – das muss man jetzt auch noch einmal wieder sagen –, sondern es wird neu bewertet.
Deswegen ist es, glaube ich, nicht so, dass unsere Erzählungen unserer Erinnerungen Fiktionen sind im Sinne von, dass sie keinen Bezug zu dem haben, was wir vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren erlebt haben. Auch da wieder: evolutiv. Ein Gedächtnis, was so unzuverlässig wäre, das sich ständig neu erfinden würde, wäre nicht ein Gedächtnis, was zum Überleben beigetragen hat. Sowie der Evolutionsbiologe Simpson mal gesagt hat: „Der Affe, der nicht konkret abschätzen konnte, wie weit der nächste Baum entfernt ist, ist auch nicht unsere Vorfahren.“ Das muss zumindest grob stimmen. Und ich glaube, so ist es bei unserem Gedächtnis auch: Es ist nicht so, dass wir uns auf unser Gedächtnis überhaupt nicht verlassen können. Aber gerade bei Zeugenaussagen, gerade wenn man sich streitet mit Familienangehörigen, wie wohl was war, eine gewisse Bescheidenheit, ob man sich tatsächlich richtig erinnert. Vielleicht noch mal versuchen zu verifizieren, kann das so gewesen sein.
Ist tatsächlich gegeben, denn da haben Sie völlig recht: Unser Gedächtnis ist nicht wie eine DVD abgespeichert, die wir immer wieder abspielen können, sondern wann immer wir uns erinnern, kann sich dieses Gedächtnis auch wieder verändern. Unser Gedächtnis ist selektiv. Wir markieren uns übrigens dauernd emotional. Lernen Sie – haben Sie an diesem Beispiel genannt – Erfolgserlebnisse beim Lernen: Das sind sehr emotionale Momente, nicht nur kognitive. Gleichzeitig gibt es etwas, was wir Unterbewusstsein nennen.
Wahrscheinlich lernen wir das meiste, ohne dass wir überhaupt merken, dass wir es lernen. Was ist das für ein bisschen ein Lernen, ein Verarbeiten, wenn ich nicht weiß, dass ich gerade etwas gelernt habe und es in meinen Alltag so hineinfließt? Ist es nicht das meiste, was so stattfindet?
Völlig richtig, es ist das meiste, was so stattfindet, weil das Gehirn eine riesige Mustererkennungsmaschine ist. Das Gehirn versucht eigentlich immer vorauszusehen, was als Nächstes geschehen könnte, um dann schon die Reaktionen anzubahnen. Nehmen wir ein Beispiel: mein Sport Tischtennis. Und ein Tischtennisprofi hat gar nicht die Reaktionsgeschwindigkeit, auf einen schnellen Ball des Gegners reagieren zu können. Trotzdem hat er ganz viele die Tabelle, weil er aus dem Bewegungsablauf des Gegners vorhersehen kann, in welche Richtung der Ball ungefähr gehen wird. Das ist so ein typischer Mustererkennungsprozess, der unbewusst stattfindet. Man kann auch tatsächlich seinen Gegner ein bisschen durcheinanderbringen, indem man ihn fragt, wie er das macht oder dass die Vorhand besonders gut geht. Da sehen wir, dass diese Prozesse auch ins Stolpern geraten können. Und diese Mustererkennungsprozesse führen eben auch zu Lernprozessen, weil wir an bestimmten Abläufen, an bestimmten Gegebenheiten, an bestimmten – in dem Fall immer mal – dem Sehsystem oder dem Hörbereich vorhersehen können, welche Sequenzen als Nächstes kommen, wie ein Objekt zu interpretieren ist. Zum Beispiel: Ganz häufig sehen wir unser eigenes Auto, was irgendwo geparkt ist, das gar nicht richtig, weil es verdeckt ist.
Es ist verschneit, ist es für direktes [Licht] und Blätter darauf, trotzdem können wir das erkennen. Wir können auch Personen erkennen, die von anderen verdeckt werden. Wir können die Entfernungen abschätzen. All das haben wir gelernt im Laufe unseres Lebens anhand von Mustererkennungsprozessen, von denen die meisten tatsächlich entweder direkt in den Wahrnehmungsarealen der Großhirnrinde stattfinden oder sogar unterhalb der Großhirnrinde, sodass sie häufig der Sprache gar nicht zugänglich sind. Sodass man eben sagt: Wir haben hier einen großen Speicher des Unbewussten, bin Laden auch des prozeduralen Gedächtnisses, der weit größer ist als unser bewusstes Gedächtnis, was wir in Worte fassen können. Manchmal fällt es einem sogar schwer, diese unbewussten Dinge in Worte zu fassen.
Nehmen wir das Autofahren: Wenn man sich überlegt, wie man das angefangen hat, musste man richtig im Kopf durchgehen: Bevor man den Motor startet, einmal im Rückspiegel gucken, wo ist die Kupplung, da muss man Gas geben, noch in den Seitenspiegel gucken, den Gang einlegen und dann den Zündschlüssel umdrehen. Wir machen das heute alles automatisch. Wir haben quasi einen Prozess, der zum Bewussten – wir sagen auch: die kreativen, sprachbegabten Gedächtnisanteile – in den unbewussten Bereich verschoben, und können uns jetzt beim Autofahren auf die Regeln des Straßenverkehrs konzentrieren, auf andere Verkehrsteilnehmer, vielleicht sogar Gespräche mit Leuten.
Immer noch nichts anderes als wenn ich eine Sprache lerne: Jedes Wort, jede Vokabel ist erst einmal ein Prozess an sich. Dann kommt diese furchtbare Grammatik, alles muss sich immer wieder bedacht werden, und ich mache Fehler und muss wieder bedenken. Und wir sprechen beispielsweise jetzt miteinander auf Deutsch. Ich habe nicht das Gefühl, dass eine Parallelspur, die mir immer wieder so als Korrektivspur danebensteht, wie: „Er sagt so, Michael, und jetzt bitte benutze dieses Wort“, verknüpfe es mit jedem Wort. Sind diese Automatismen, die sie beim Autofahren – ich noch mal mit der Sprache versucht habe zu erklären – sind diese Automatismen lernsteigernd oder Lernhemmnis?
Weil, als ich mich sehr bemüht habe, Grammatik richtig zu denken, zu sprechen, die richtigen Worte zu finden, war mein Anstrengen auch, das richtige Wort zu finden, dadurch etwas entschleunigt zu sein, vielleicht qualitativ besser als jetzt, wo ich mit einer relativ starken Geschwindigkeit und ohne diese Parallele – jedenfalls ist sie mir nicht bewusst – mit Ihnen verhandle. Ist Lernen also, dass das Sich-immer-auch-bewusst-Machen: „Ich bin noch nicht angekommen“, ist dieses Bewusstmachen: „Ich bin nicht angekommen“, die Grundvoraussetzung, um mehr lernen und besser lernen zu können?
Auf der einen Seite, wenn es um Sprache geht, muss man sagen: Wir haben Sprachareale, die tatsächlich evolutiv dafür gebaut sind, Sprache zu verarbeiten, und die unglaublich mächtig sind. Und die es uns tatsächlich erlauben, ohne Grammatik nachzudenken, komplexe syntaktische Strukturen zu verarbeiten. Während wir Fremdsprachen in anderen großen Arealen verarbeiten, die zu den Gedächtnisarealen gehören. Deswegen sind wir dort so entschleunigt. Und wenn wir zum Beispiel in einem Bereich, wo wir uns in einer Fremdsprache angewöhnt haben, ein Wort falsch auszusprechen ...
Es ist tatsächlich so, dass es der bewussten Kontrolle des Stirnlappens bedarf, in dem Fall in einen Prozess einzugreifen, der schon begonnen hat, eine Gewohnheit zu werden. Das ist mühsam, das kostet auch Zeit, weil es mir so eine optische Verschaltung sind und jede synaptische Verschaltung kostet Zeit, ist auch sehr anstrengend, kostet Willenskraft, die wir eben genau bei Gewohnheiten und Routinen nicht einsetzen müssen. Also völlig richtig, dass das anstrengend ist und dass das entschleunigt.
Das andere, was wir sagen: Es ist ganz, ganz wichtig, wenn wir bestimmte Lernziele erreichen wollen – egal ob in der Schule, in der Ausbildung, im Studium oder im Sport –, müssen wir uns klare Ziele setzen. Zwischenziele setzen und müssen uns immer auch wieder vergewissern, ob wir diese Ziele erreicht haben, ob wir die richtigen Methoden einsetzen, um diese Ziele zu erreichen. Sehr häufig hilft es da auch, jemanden um Rat zu fragen, der einem noch einmal Tipps geben kann. Erfahrene Lerner – seien es in der Schule natürlich die Lehrer, vielleicht auch mal Mentoren und vielleicht auch mal ältere Schüler –, die einem Tipps geben können. In der Ausbildung sind es eben die Ausbilder. An jeder Stelle gibt es Menschen, die uns raten können.
Aber ganz, ganz wichtig ist es, das, was Sie sagen: Wenn wir etwas wirklich besser werden wollen, dann werden wir das nicht, indem wir losjoggen und 20-mal joggen gehen und immer die gleiche Runde und gar nicht darüber nachdenken, wo wir hinkommen möchten. Das Gleiche ist beim Fremdsprachenerwerb. Aber auch da, gerade beim Fremdsprachenerwerb, wäre wichtig, dass man nicht das Ziel hat, die Sprache zu sprechen, sondern das Ziel muss erstmal sein, an einem Bankschalter klarzukommen, in einer Bahnstation klarzukommen. Wenn man das hat, dann kann man versuchen, über das Wetter zu reden. Und diese ganzen kleinen Zwischenziele sind wieder wichtig: zum einen für die Erfolgserlebnisse und zum anderen auch, damit das Gehirn auch immer wieder weiß: Wann habe ich denn mein Ziel erreicht? Ich brauche sozusagen auch hier ein Feedback, um eben besser werden zu können. Und vor allen Dingen brauche ich die Bereitschaft, Fehler machen zu dürfen.
Ich muss mir klar sein: Das Gehirn macht Fehler, wenn es etwas Neues lernt, und das Gehirn selbst versucht auch immer, aus Fehlern zu lernen. Wir selber neigen aber häufig dazu, die Fehlersituation schon zu vermeiden, und dadurch verhindern wir das Lernen, indem wir gar nicht erst loslaufen und loslernen aus der Angst, Fehler zu machen.
Man muss dazu ergänzen: Wenn Sie sagen, wir neigen dazu zu verhindern, ist es ebenfalls dieses Gehirn, das sagt: „Hey, du möchtest einerseits lernen, aber ich – andererseits – in diesem Teil des Gehirns hat eigentlich eher keine Lust mehr dazu.“ Und das wäre dann doch eine Frage, die mich sehr radikal interessiert: Kann ein Mensch entscheiden: „Ich will nicht mehr lernen“?
Das kann aber zum Glück nicht, weil er eben nicht verhindern kann, dass er denkt, dass er Erfahrung macht. Was aber gemeint ist: Dass man sich hinsichtlich des vorgegebenen Ziels in einer bestimmten Unterrichtseinheit eben weigert, noch etwas Neues zu lernen. Oder nehmen wir die ältere Generation: Neue technische Erfindungen – vom Navigationsgerät über Smartphone bis zum Tablet – da können natürlich einige sagen: „Das wollen und machen wir nicht mehr.“ Das ist dann natürlich bedauerlich, weil das eben aus einer Situation heraus entstanden ist, dass man meint, etwas nicht zu können. Und ich habe eben von „wir“ gesprochen, weil manche Dinge tatsächlich in einer Interaktion von Gehirnen passieren und von Menschen passieren – und nicht nur in unseren Köpfen.
Denn die Erwartungshaltung, die andere Menschen an uns haben, die kalibrieren auch, was wir selber von uns erwarten. Und wir können uns nie ganz frei davon machen. Wenn also Altersstereotype gibt, die einem sagen, dies und jenes kann man im Alter nicht mehr, oder wir haben auch ganz viele Geschlechterstereotype – was können Mädchen und Jungen sehr gut –, die können tatsächlich Mädchen und Jungen oder, im ersten Beispiel, ältere Menschen daran hindern, bestimmte Dinge noch auszuprobieren und ihr Leistungspotenzial zu entfalten.
Gibt es ja, weil Sie jetzt die Evolution angesprochen haben: Beim Lernen immer diese sehr nazistische Frage auch, dass der Mensch glaubt, er sei der Einzige, der die Fähigkeit des Lernens besitze. Stimmt ja: Alle Tiere können lernen. Lernen gehört evolutionär zum Tiersein dazu, genauso wie, im Übrigen, Schlafen. Also jedes Tier lernt auf unterschiedliche Arten und Weisen.
Es gibt bestimmte Gedächtnisformen. Dazu gehört wahrscheinlich auch das autobiografische oder episodische Gedächtnis, wo wir sagen können: Wann haben wir mit wem was erlebt? Von dem man nicht so genau weiß, ob Tiere das können. Es gibt Hinweise, tatsächlich: Bei einigen Vogelarten haben die das wahrscheinlich. Bei Affen ist das im Übrigen nicht gesichert. Natürlich auch ganz schwierig, weil das bei uns aus dem Sprachbereich kommt. Sie können mit ihnen nicht reden. Aber es gibt tatsächlich Domänen in unserem Gedächtnis, die etwas mit diesen Episoden zu tun haben, die etwas mit Einsicht zu tun haben, wo es verschiedene Ausprägungen gibt. Aber im Grunde muss man sagen: Lernen und Gedächtnis hat jedes Tier.
Gleichzeitig gibt es etwas, worüber wir unstreitig diskutieren: Nehme ich den Begriff der Intelligenz. In welchem Zusammenhang steht Intelligenz mit Lernen, mit Verschaltung? Das sind ja auch neurophysiologische Prozesse, als auch, wenn man es reduziert, technische Prozesse, die stattfinden. Welche Bedeutung hat diese Intelligenz? Wozu braucht man sie? Und was führt dazu, dass jemand besonders intelligent ist im Verhältnis zum Lernen?
Intelligenz hat etwas mit der Rechengeschwindigkeit des Gehirns zu tun, mit einer starken genetischen Veranlagung – tatsächlich. Das heißt: Das, was einem Intelligenztest gemessen wird, ist vor allen Dingen, dass wir in verschiedenen Domänen des Denkens und des Wahrnehmens viele Lösungen schnell generieren können und dann eben auch schnell entscheiden können, was dann möglicherweise die richtige Lösung ist. Das ist der eine Aspekt von Intelligenz. Der andere Aspekt ist: Dass wir ein gutes Konzentrationsvermögen haben und sehr gut unterscheiden können, was in einer bestimmten Situation wichtig und was unwichtig ist. Auch das macht Intelligenz aus.
Das unterscheidet sich insofern vom Gedächtnis, dass unser Gedächtnis wahrscheinlich nur zu 20 Prozent Talent ist und angeboren, und zu 80 Prozent hängt unsere Gedächtnisfähigkeit davon ab, also wie gut und wie schnell wir lernen können. Das hängt eben auch davon ab, was wir schon gelernt haben.
Wer also in einem bestimmten Schulfach fleißig seine Hausaufgaben gemacht hat, mitgedacht hat, der wird irgendwann jemanden, der für dieses Fach eine hohe Intelligenz hat, wahrscheinlich überholen, wenn der wenig gelernt hat, weil es uns dann leichter fällt, neues Wissen im bestehenden Wissenssystem einzubauen. Was daneben ein gutes Gedächtnis ausmacht, sodass wir eben hier sehen, dass man tatsächlich die Begriffe Intelligenz und Gedächtnis voneinander trennen muss, weil es ebenfalls menschliche Fähigkeiten sind, die jetzt auch in verschiedenen Gehirnarealen assoziiert sind. Bei dem einen Fall eine starke genetische Komponente bei der Intelligenz, beim Gedächtnis ist es eher, wie wir gelernt haben zu lernen und wie viel wir schon wissen, was gleichzeitig aber auch noch einmal einen Punkt dafür macht, dass beim kompetenzorientierten Lernen man nicht vergessen darf, dass auch Wissen eine Kompetenz ist.
Wie wichtig ist denn: Je mehr wir wissen, umso differenzierter nehmen wir die Welt wahr, umso differenzierter können wir über die Welt denken und können wir in ihr handeln, und umso präziser können wir auch Fragen an die Welt stellen. Also ist Wissen hier in Form von Gedächtnis immer noch eine extrem wichtige menschliche Eigenschaft, genauso wichtig, vielleicht sogar wichtiger als unsere Intelligenz.
Sie haben gesagt, beim Lernen sind Erfolgsmomente ganz großartig: Ein bisschen Dopamin, das fließt, alles ist ganz schön im Leben. Andererseits gibt es so dieses Bonmot, der Mensch lernt aus seinen Fehlern, also aus seinen Misserfolgen, eigentlich mehr als aus seinen Erfolgen. Stimmt das, oder ist das nur ein philosophisches Buch, das heißt vor allem ein philosophisches Promo? Aber es stimmt doch insofern, als es sein Korrelat neuropsychologisch dahingehend hat, dass Menschen, die bereit sind, ein dynamisches Selbstbild zu haben – dynamisches Selbstbild heißt: Ich bin bereit, anhand von Fehlern zu lernen –, besonders gut lernen können, sich Herausforderungen besonders gut stellen und auch in ihrem Berufsleben besonders erfolgreich sein werden.
Insofern hat dieses Bonmot sein Korrelat. Es stimmt insofern nicht, als viele Menschen genauso nicht agieren, sondern sie lernen von Anfang an in ihrer Schullaufbahn die Krot: Immer Fehler heißt: Das kann ich nicht, das sollte ich meiden. Ich sollte am liebsten nur das machen, wofür ich schon ein großes Talent habe, und Fehler sind zu meiden, ist sozusagen die Botschaft, die man daraus kulturell lernt. Insofern hängt es sehr davon ab, wie wir in Familie und Schule sozialisiert werden, ob Fehler insofern positiv besetzt sind, das heißt, sie sind eine Herausforderung, oder ob sie negativ sind, das ist ein Gebiet, ein Terrain, was ich meiden sollte. Ich soll dann nur die Dinge machen, die ich sowieso gut kann, und das bedeutet immer, dass man neues Lernen meidet, denn neues Lernen heißt immer, dass ich Fehler machen werde.
Auch dahingehend, dass sich alte Gewohnheiten überschreiben muss mit neuen, da gibt es Konflikte im Gehirn, wie was zu machen ist, häufig nicht sprachlich zu lösen.
Müssen häufig ganz, ganz viele Wiederholungen gemacht haben, um alte Gewohnheiten und Routinen abgelegt zu haben. Das ist sehr mühsam, sind es eben beschrieben. Wenn das dann auch zum Teil will, nicht steuern muss, also daran sieht man, dass man mit dem Lernen umgeht, hängt eben auch davon ab, wie man gelernt hat, mit Fehlern umzugehen. Hat man gelernt, damit umzugehen? Das ist völlig richtig, was Sie eben gesagt haben: Der Mensch lernt aus seinen Fehlern.
Gibt es eine Lernphase, die jedenfalls nach allen Erkenntnissen bis in die Gegenwart herein gar keine Erinnerung haben? Das ist die kindliche Amnesie: diese ersten Monate, drei Jahre, vier Jahre bis zum fünften Lebensjahr. Und alle sind sich darüber einig, dass in diesen Jahren eigentlich die Grundlagen der Identität, die Grundlagen des emotionalen Haushalts, des Kognitiven, der Beziehung auch zum Lernen, zur Welt gelegt sind. Die wichtigsten Dinge sind eigentlich auch gelernt: nämlich wenigstens, du möchtest essen, du musst essen, wie kommst du überhaupt zum Überleben?
Was für einen Einfluss hat diese Phase, wo das Leben an sich überhaupt im Leben von Kleinkindern gelebt wird und überhaupt keine Erinnerung? „Geist, ich kann mich nicht erinnern. Ich weiß nicht, ob Sie glauben, sich erinnern zu können an dieser Zeit.“ Meistens hinzu: Erzählungen von Eltern, die einem sagten: „Wie toll gemacht, dass übernimmst du sehr gerne.“ Aber was für ein Verhältnis hat diese Phase insgesamt zum Thema Lernen und Identität, was ja das Ergebnis von Lernprozessen ist?
Ja, auf der einen Seite muss man aufpassen, dass man Lernen und Gedächtnis nicht gleichsetzt mit unserem autobiografischen Gedächtnis, sondern Lernen und Gedächtnis beinhaltet eben viel, viel mehr. Zum Beispiel haben Kinder eindeutig spätestens im zweiten bis zum dritten Jahr gelernt, Sprache zu verstehen und sich selber zu artikulieren. Und selbstverständlich können sie das ihr Leben lang und haben hier etwas ganz intensiv Neues gelernt. Wie gut sie in der Lage sind, emotionale Bindungen einzugehen, wird hier vorgeprägt. Auch das ist etwas Gelerntes. Dass Sie haben es angedeutet: Ein Teil unseres Temperaments, unserer Persönlichkeit entwickelt sich dort schon. Also ganz viele Aspekte unseres späteren Lebens finden dort ihre Grundlage und sind selbstverständlich gelernt.
Bis hin zu den Dingen, dass man Dinge sein Leben lang nicht isst, wo er einmal als Zweijähriger schlecht geworden ist. Also auch das kann das Leben ein Leben lang beeinflussen. Man hat aber nicht bewusst mit seinem autobiografischen Gedächtnis Zugriff darauf.
Das hängt damit zusammen, dass die Gehirnareale, die Sprache und Gedächtnis miteinander assoziieren, dazu gehört eine Gehirnregion namens Hippocampus, die sich langsam entwickelt und die mit riesigen Datenautobahnen mit dem Großhirn verbunden wird. Und diese Datenautobahn, die entwickelt sich erst zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr, weswegen wir wahrscheinlich keine sprachbezogenen Erinnerungen haben. Aber tatsächlich: Das, was uns später als Mensch ausmacht, wird zumindest auch in den frühen Jahren gelegt.
Wir müssen allerdings auch hier sagen: Für die menschliche Identität spielen mehrere Phasen eine Rolle. Wie frühkindliche ist wichtig, das haben Sie erwähnt, meinen Augen vielleicht sogar ein bisschen überbetont, weil die Phase der Pubertät spielt noch mal eine ganz wichtige Rolle, wo sich zum Beispiel auch der Stirnlappen als riesige Baustelle ganz neu entwickelt. Wir haben dann das Ende der Schule, den Beginn der Ausbildung, Familiengründung – noch andere ganz prägende Phasen, die unsere Identität und Persönlichkeit auch weiterentwickeln.
Also: Wir sind als Persönlichkeiten nicht nur diejenigen, die wir mit drei und mit zwölf waren, sondern wir sind der, der wir geworden sind – und zwar ein Leben lang geworden sind und verändern uns hier eben immer weiter. Und vereinigen sind aber auch soziokulturelle Einflüsse nicht zu unterschätzen.
Und ich würde gerne auch hier Lernen oder Nicht-mehr-Lernen in die Diskussion bringen. Also: Wir wachsen auf in einem ganz bestimmten Umfeld, ob jetzt mit drei oder mit 14. Wir reagieren auf Einflüsse, aber letztendlich bekommen wir durch Erziehung – das ist eine kognitive Prägung und die schulische Erziehung, aber auch die Erziehung von moralischen Kategorien, von kulturellen Kategorien – das alles lernen wir. Ja, auch eine ganz bestimmte Prägung. In der Regel hält das ja sehr viel intensiver als selbst die Sehnsucht des Pubertierenden, daraus herauszuspringen zu können.
Es gibt selbst, wenn Menschen in andere Länder umziehen, nehmen sie dieses Paket mit. Wir erleben, dass sie auch in politischen Debatten das dann auch sofort kulturelle, politische Konsequenzen daraus gezogen werden. Wie schafft man solche Prozesse wieder umzuformatieren? Nehmen wir es am klarsten mit den Bildern von Vorurteilen: Also, ich bin erzogen worden, dass Brillenträger grundsätzlich nicht gut riechen – ein bescheuertes, aber denkbares Vorurteil. Das hat sich ein paar Mal sogar vielleicht bestätigt, weil auch nicht alle Brillenträger gut oder nicht gut riechen. Und wie kriegt ein Gehirn durch Lernen solche Vorurteile überhaupt wieder weg?
Vorurteile sind im Grunde über Generalisierungen des Gehirns, wo es eigentlich nur eine ganz dünne Informationsdichte hat und dadurch aber weitreichende Schlussfolgerungen zieht. Und wie Sie zu Recht gesagt haben: Können die maßgeblich sogar unsere Wahrnehmung beeinflussen, wollen die nur sehen, die den Erwartungen entsprechen, und damit den so eine Art Self-fulfilling Prophecy. Diese Vorurteile bestätigen sich auch immer wieder, weil wir das andere gar nicht wahrnehmen.
Wir haben dann sogar so die Schwierigkeit, dass, wenn wir dann – nennen wir es das schwierige Wort – kognitive Dissonanzen haben, eigentlich jetzt spricht das, was wir gerade sehen und erleben, nicht dem, was wir erwartet hätten.
Das kann man dahingehend lösen, dass man darüber nachdenkt und sagt: „War meine Erwartung falsch?“ Oder man diskutiert es weg und sagt dann: „Wenn eine Frau in einer Elektrotechnik-Vorlesung sozial ist, ja, auch ein Mann-Frau-Ding.“ Das ist zum Beispiel etwas, was ich öfter mal innerhalb von anderen höre, und dann eben darauf entsprechend brüskiert reagiere, gar nicht aber bedenke, dass eigentlich jeder Mensch Vorurteile hat und ich auch selber bei mir anfangen müsste mit meinen Vorurteilen und die bearbeiten zu können.
Vorurteile sitzen sehr tief. Sie sind meist auch der Sprache nicht zugänglich, und der einzige Weg, sie zu beeinflussen, sind neue Erfahrungen machen, zum Beispiel Reisen, verschiedene Erfahrungen machen und eben sich selber auch in seinem Handeln zu hinterfragen und in seinem Denken und eben zuzuschauen: Wie kommst du eigentlich darauf? Wie kommst du darauf, dass diese Situation zum Beispiel jetzt unsicher ist? Ist es dunkel? Sind das tatsächlich Menschen, die du nicht kennst? Kannst du sie so noch nicht einschätzen? Hast du nur in Filmen gesehen, dass Leute, die so und so aussehen, immer besonders gefährlich sind? Also tatsächlich brauchen wir hier die Erfindung des Stirnlappens, der eben kontrollierend auf die Reflexe und auf diese Routinen und Gewohnheiten – nichts anderes sind Vorurteile eben – einwirken kann, bewusste Vorgänge, diese zu korrigieren.
Ja, ein bisschen vertiefen: Nehmen wir Rassisten, nehmen wir Judenhass. Wir sagen beispielsweise: Bildung und Wissen sind gute Instrumente, um politische Probleme dieser Art zu bekämpfen, vor allen Dingen bei jungen Leuten. Aber beim Rechtsextremismus sehen wir, dass Bildung oder Bildungslosigkeit, Bildungsferne eigentlich kein Kriterium ist. Für diese emotionalen Fehlurteile und Vorurteile sind primär emotional.
Welche Lösung gibt es dann, um Menschen, die aus einer emotionalen Überzeugung, die sie dann als Wissen empfinden und die sich dabei, wenn sie mit diesem vorurteilsbedingten Blick in die Welt schauen, immer ihre Bestätigung finden werden, welchen Lernprozess gilt es da anzustoßen? Hier also: Man ist vor Vorurteilen geschützt, wenn man gelernt hat, über sich und die Welt reflektiv nachzudenken. Auch das ist das, was Bildung ja im engeren Sinne ist: Man hinterfragt das, was man sieht und erlebt, und auch sich selber.
Man muss aufpassen, den Bildungsbegriff nicht zu verwechseln mit dem Abarbeiten eines Bildungskanons. Nur weil man sechs Bücher aus dem deutschen Sprachraum gelesen hat und zwölf Geschichtsbücher, hat man noch nicht gelernt, reflexiv darüber nachzudenken. Also: Bildung ist immer auch das Hinterfragen. Und wer gelernt hat, sich und Beziehungen zu hinterfragen, und wen es auch nicht stört, auch mal eigene Vorurteile zu hinterfragen und sich auch einzugestehen, dass man die möglicherweise hat, ist ja der, der nicht gelernt hat.
Sie können ja sehr gebildet sein, sie können ihr Wissen und diese Eigenschaft nicht gelernt haben, was dann? Dann haben sie tatsächlich ein Problem, weil sie dann ihre Vorurteile nicht sehen und dann ja nur das erleben, was ihnen ihr Gehirn vorgaukelt, was die Welt ist. Dann nehmen sie immer nur – wir nehmen immer nur bestimmte Aspekte in dieser Welt wahr – und dann können sich Vorurteile sogar noch verstärken, weil sie es eben bei den Brillenträgern mit dem Riechen gesagt haben: Ein paar Mal stimmt es. Wenn man sich nur diese Ereignisse merkt, wird das auch noch verstärkt. Das heißt: Man muss wissen, dass Wissen mit einer Unsicherheit behaftet ist.
Man muss wissen, dass man Dinge hinterfragen muss. Man muss wissen, dass man selber auch fehlerhaft ist und dass die Dinge fast nie einfach sind. Jetzt unterstellen muss wissen – muss man ja lernen. Oder andersherum gefragt: Gibt es ganz bestimmte Dinge, die man dann doch nicht lernt oder lernen kann? Es gibt auch Dinge – also sagen wir mal so: Wenn man sich das Denken mit so einem Tausendfüßler vergleicht – im Grunde, was ich gerade gesagt habe, ist, würde heißen, dass man jeden Gedanken, jede Wahrnehmung auf ihren Gehalt hin untersucht. So könnten wir nicht Auto fahren: Ist die Ampel da wirklich? Ist die vielleicht ein bisschen weiter links? Hat sich der Radfahrer wirklich daneben benommen, oder habe ich das nur so wahrgenommen? Das heißt, wir müssen immer in bestimmten Momenten nur Inhalte prüfen und nicht an allen. Und manchmal hilft es hier, wenn man kulturelle Vereinbarungen hat, was einfach kulturell, gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Wenn die Regeln hier klar sind, denkt man über bestimmte Handlungen – nehmen wir den rechtsradikalen Bereich – gar nicht nach. Wenn diese gesellschaftlichen Verträge aufgebrochen werden durch die Wortwahl, die verwendet wird, durch die Stimmung, die entsteht, manchmal sind es auch mediale Berichte, die eine bestimmte Tendenz haben, die bestimmte Nachrichten als besonders nachrichtenwürdig finden, so dass sich die Wahrnehmung ändert, kann eben dieser gesellschaftliche Vertrag aufgebrochen werden. Und man hält sich eben nicht mehr an die sozialen Regeln, die als fair gehalten werden, sondern bricht hier immer wieder aus und verfestigt seine Vorurteile. Das heißt, diese Vorurteile werden sichtbarer, auch in Handlungen, weil ganz viel von Vorurteilen an Demokratie hängt.
Man kann Demokratie lernen, indem man eben lernt, wie Abläufe sind, wie man beeinflussen kann, dass man sich selber einbringt. Wir sehen das bei der Wahl eines Klassensprechers: Es ist ein technisches Lernmodul. Es ist ein technisches Lernmodul, das hält nicht sehr tief – lange. Ja, nein, es ist richtig, aber ganz viele kulturelle Errungenschaften – und unser Gehirn ist immer offen für kulturelle Errungenschaften – sind Vereinbarungen zwischen Menschen. Und unser Gedächtnis ist dazu fähig, Neues zu lernen, Neues zu erfahren. Das kann aber natürlich auch nach hinten losgehen.
Diese Schule – eigentlich ein guter Ort oder der beste Ort zu lernen?
Es ist sicher nicht der beste Ort zum Lernen, aber es ist der einzige, wo wir das lernen, was wir eben nicht freiwillig lernen wollen, wo uns eben strukturiert etwas beigebracht wird über die Welt, über die Abläufe, die in dieser Welt vonstattengehen.
Vielen herzlichen Dank! Ich habe jedenfalls heute was gelernt, und ich bedanke mich herzlich dafür. Auch viel gelernt werden.
热烈欢迎。
马丁·科尔特: 您今天究竟学到了什么?
我还没——刚刚那个瞬间——现在才意识到自己学到了东西。老实说,我刚刚在听一部侦探小说,这部小说揭示了种种关联,试图证明一起所谓的自杀案并非自杀。情节编排得如此巧妙,所有线索最终汇聚一处,让负责调查的警官逐渐看清了我此前未曾察觉的案件脉络。与此同时,我还更深入地了解了小说中几位人物的不同侧面,而这些侧面是我之前未曾注意到的。虽然只是一次开车途中听书的经历,我却感觉自己真真切切地学到了关于人性和关联性的东西——尽管这一切都是虚构的。我是否可以将这种体验稍作延伸?
您说自己对人物和结构有了新的理解。但在当下这个语境中,您使用“学习”这个词时,具体指的是什么?并非指我通过这种方式获得了新的认知,进而改变了大脑中神经元的连接方式——以至于即使我不再翻开书或继续听下去,我对这些人物的感知也会发生变化,也就是说,我能够回忆起存储的内容。这意味着,这些认知并非只是静静地存在于我的脑海中,而是可以被随时提取、运用,甚至刚才我还能以自传体的方式向您描述自己经历和听到的内容。
而“学习”这个词,正包含了所有这些含义。当您这样娓娓道来时,我脑海中浮现出一个想法:您提到存储信息,并能向我讲述,这与知识有关,或许也涉及记忆。那么,学习是否等同于知识的存储?还是说,只有当“理解”这个词加入其中时,学习才真正开始?
是的,学习早在信息从外部世界进入我们的大脑、并改变处理这些信息的神经元连接特性时就已经开始了。这些变化过程大多是无意识的,与狭义上的“理解”——即有意识的思考——并无直接关联。例如,我们在视觉层面学习了大量关于世界构造和结构的信息。我们存储了许多习惯,这些习惯与理解无关,而是与模式识别相关,使得当我们再次遇到相同模式时,能够迅速识别。我们能快速辨认出曾经见过的面孔,存储了大量的惯例和习惯,甚至从存储空间的比例来看,我们通常所说的狭义上的“学习”——即伴随理解和认知的学习——可能仅占记忆总量的20%,而剩下的80%则更多是习惯、惯例以及感知上的变化。
那么,将这20%单独拎出来看——理解是否算作一个学习过程?如何定义“理解”?它是学习本身,还是将已学到的内容与其他已学内容相结合的过程?
或者,理解是否还处于更高的元层面——即我不仅学到了许多东西,并且现在能够运用它们,还能在此基础上创造出某种全新的、独属于我的东西?因此,理解这一概念本身就极为丰富多元。一方面,它可以与认知相联系。
这意味着,我可能在人生的不同时期获取了不同的信息,现在将它们相互关联,从而形成一个全新的想法。也就是说,我实际上运用了自己的记忆,结合新输入的信息,得出某种结论,以便更好地理解这个世界。这也可以称之为学习。
另一方面——正如您所暗示的——还存在渐进式的学习与理解。我们逐步积累关于世界、某个故事或数学关系的信息,最终理解证明过程、理解公式推导或计算步骤。这一过程可能由无数小步骤组成,每一步我们都学到了新东西,即存储了新信息,并将其纳入头脑中已有的知识网络,最终能够完整复述整个逻辑链条或完整的故事。又或者,从生物学出发,我们逐步学习人体的生理学,进而理解血压的机制,并能够加以复述。这里可以想象出各种不同的情形。
此外,理解也可能以一种突如其来的方式降临,就像创造性行为那样——我们甚至无法解释,为何突然产生了一个全新的想法,促使我们以从未有过的方式思考某个问题。这同样是我们的大脑所能实现的。这种理解并非渐进式的,而是来自不同领域的信息在瞬间汇聚,如同一道闪电照亮心灵。这同样可以归入理解的范畴。
精神病学家 曼弗雷德·斯皮策(Manfred Spitzer)曾说:“学习是自动发生的,只要大脑处理信息——无论是感知、思考还是感受。我们的大脑始终在学习,而且它最乐于此道,甚至别无他选——终其一生。” 这话对吗?从某种意义上讲,它反映了一个事实:每当我们思考或经历某事时,神经元都会被激活,形成全新的神经网络。这些网络会因输入的活动而发生变化。因此,从神经元和网络层面来看,这一说法完全正确。不过,我们还需稍加谨慎。
例如,学习这一概念在学校教育或教育体系中有着不同的内涵。在这些场景下,学习指的是在特定情境中获取他人希望我们掌握的新知识。而这种学习并非自然而然就能实现。并非每一堂课、每一个学习单元或每一次进修都能带来新知或促成学习,相反,我们往往会感到困难重重。
他们恨不得上前拥抱您,连声赞叹:“您说得太对了!”孩子们真的很难在一天之内,按照高度结构化的安排,去处理特定的科目、特定的信息,并将其牢记于心。
问题始终在于:为了什么?又是为什么?有趣的是,一旦打下一定的基础,学习就会变得轻松,也更有乐趣。那么,在这一主题中,成功与学习之间有何关联?成功体验与学习之间存在相关性。你的成功与学习紧密相连,因为大脑会根据自身的判断来调整接受能力和存储能力——首先,它会评估自己是否相信能够应对某个情境:我们是否相信自己能够处理好当前的情况?
而大脑中实际上进行着一系列计算过程,这些过程会纳入过往的经历。也就是说,我们需要成功的体验,才能在未来面对可能更具挑战的情境时,做好准备,全身心投入,以全部的智力和能力去应对问题。
以学校课堂为例:如果在某门学科中,学生能够三四次获得成功的体验——甚至可能出现那种“不酷”的场景,即同学们事后会说:“哇,这也太棒了!”要知道,学生之间可不轻易互相夸奖。但一旦发生这种情况,就会产生效应:大脑会释放神经递质,将整个学习情境赋予积极的意义,并为下一次类似情境做好准备。当遇到真正的难题时,那些渴望挑战的人,便会做好准备去迎接困难,并借助大脑中各种生化“涡轮增压器”来克服挑战。
因此,成功体验在学习过程中至关重要。另一方面,同样重要的还有:目标。我必须明确知道何时达成了目标,还需要设定阶段性目标,并理解每一步的意义。此外,正如您刚才所暗示的:对孩子们来说,理解“为什么”和“为了什么”同样重要。有时是社会环境的驱动,有时是对世界的好奇,有时则是老师将某个问题包装成一个引人入胜的故事,让人迫不及待地想要探究:为什么软木塞会从瓶子里弹出来?或者为什么在特定的历史情境下,国家之间会爆发冲突?种种情境不一而足。
而我们对叙事有着惊人的接受能力。如果老师能将知识点融入一个故事,并让我们去解释或续写这个故事,我们就会更愿意接触新知,记住它,并积极参与其中。叙事——这非常有趣——往往还伴随着画面感。新知识被赋予感官上的包装,比如图像等。如此一来,人类似乎更容易理解“学习”的含义,同时也更容易理解所学内容的背景,并将其归类:这从何而来?是否源自某种本源?那些负责处理图像、激发想象力的感官,在学习过程中扮演着极为重要的角色。
一方面,我们确实具有高度的视觉导向性。人脑中可能有五十多个不同的区域,分别处理着我们认知系统的各个方面。然而,比学习更为重要的是,我们还拥有惊人的视觉记忆能力,能够高效地存储图像。
这一点从电脑和相机中便可见一斑:我们可以存储成千上万页的书籍内容,而一张照片所占的空间与之相当。但在我们的大脑中,图像存储的效率极高,能够轻松容纳成千上万乃至数十万张图片。可以说,这是一种极为高效的视觉记忆。我们可以通过联想不断调用这些记忆,将零散的事实串联成画面,借助图像来帮助记忆枯燥的信息。
语言中也能看到类似的现象:隐喻(Metaphorik)就是将抽象概念与具象画面相结合,以图像为载体,帮助我们记忆。也就是说,我们在运用形象化表达时,正是利用了大脑处理图像的高效方式,调动庞大的视觉存储空间,并通过联想将事实彼此关联。
在讨论过程中,有一个词始终若隐若现,那就是“记忆”。以我自己为例:我记不住数字,叫不出名字,也无法记住所谓的“事实”。我可以阅读、思考,但事后却一无所剩。而有些人却能轻松做到,并通过这种方式处理更多知识。我假设我们的智力水平相当——两者都能理解内容。但我处理完信息后,却完全想不起自己读过什么、思考过什么,甚至无法支撑这场对话。
那么,记忆在学习及其成果中,无论是潜在作用还是被激活后的效果,究竟有何意义?首先,我们需要明确区分:在没有外部刺激的情况下,能否自主提取特定事实——这对任何人来说都极具挑战。
其次,是否存储细节知识,则因人而异。有些人天生擅长深入细节,快速记忆大量事实,但代价往往是难以把握全局。
也就是说,当我们试图从大量事实和信息中得出结论时——我们不妨这样形容:所谓“人们”这一概念——即我们试图从笼罩着知识的迷雾中提取精华,而无需在意那些隐藏在雾中的细节。然而,我们能从中得出的结论却可能极为睿智。这些结论确实源自我们所阅读的内容,并非随意臆测。因此,为了在头脑中把握所谓的“大局”,仅仅执着于事实反而可能成为障碍,因为事实往往会妨碍我们对整体结论的理解。
例如,拥有上位概念或抽象概念是一种非常高效的思维方式。我们甚至可以有意识地利用这些概念,将零散的事实“挂靠”其上。或者假设您也有类似体验:在对话中,当对方提到某个关键词时,我们曾经阅读过的所有相关知识便会瞬间浮现,成为可调用的信息——我们能够引用、回应,从而证明自己所读的内容并未完全从脑海中消逝,而是在特定提示下得以重现。在这一点上,人与人之间的差异同样显著。
不过,从整体来看——包括我们的自传体记忆——有一点颇为令人不安:我们能否回忆起某些事情,往往取决于诸多偶然因素,而这种不确定性有时甚至令人心生恐惧。比如,某个三年、四年甚至十五年前的想法,可能仅仅因为闻到某种气味、听到某段音乐,就能唤起完整的生活片段,让人不禁疑惑:为什么我没有更频繁地回忆起这些?这实在耐人寻味。而您所描述的这类记忆,最大的欺骗性恰恰在于:记忆与回忆本身总是带有操纵性,且不断变化。我所能回忆起的自己或生活,可能与真实情况毫无关联。
那么,当我们将这一过程与学习联系起来——不仅仅是实用性的学习(如1+1=2),而是生活层面的学习——又会如何?对于一个三四十岁、五十岁的人来说,我本应能够信赖自己:“我这一生学到了很多,包括生活的真谛。”然而,当我试图回忆或基于记忆进行推理时(比如:“二十年前我就犯过这个错误”),浮现的故事却可能与当时的情境完全不符。这些错觉究竟是什么?我们又该如何应对这些错觉?比如,三天后我可能会回忆出与现在截然相反的内容,完全推翻此刻对您所说的话。
这团乱麻、这堆杂烩、这种自我欺骗究竟是什么?而当人们说“我学到了东西”时,这又意味着什么?我们需要稍微梳理一下您刚才所说的。一方面,我们的记忆确实会在每次回忆时发生变化。也就是说,当我们——当我们讲述一段记忆或思考它时——这段记忆会被重新存储,在这个过程中,它可能(但不一定)发生改变。因此,您刚才描述的现象确实有其道理。我们所拥有的记忆——无论是事实记忆还是自传体记忆——在边缘地带可能变得模糊、易变,有点像维基百科页面,不断被改写。从进化角度来看,这也是合理的,因为对我们来说,重要的并非某个具体情境的具体记忆,而是我们上次经历这种情境时的感受。让我稍微岔开一下,从进化的角度来解释:假设我们在水源地看到过一次狮子——我们的死敌,于是我们会避开那个水源地。
但明智的做法是,偶尔再去查看一下狮子是否还在。比如,如果我们查看了十次,发现狮子不在了,记忆就会更新,认为这个水源地至少变得更安全了。不过,这里还需要强调一点:狮子并不会被彻底遗忘,而是被重新评估。
因此,我认为,我们对记忆的叙述并非虚构——并非与我们十年、二十年、三十年前的经历完全脱节。从进化的角度来看也是如此。如果记忆如此不可靠,总是不断重塑自我,那么它就不会成为帮助我们生存的记忆。正如进化生物学家辛普森曾说过的:“那只无法准确估计下一棵树有多远的猴子,也不会成为我们的祖先。”至少大体上要准确。我认为,我们的记忆也是如此:我们并非完全无法依赖记忆,但在作证时,或与家人争论“当时到底发生了什么”时,不妨保持一份谦逊,质疑自己是否真的记得准确。也许可以再尝试验证一下,事情是否真的如此。
这一点确实成立,因为您说得完全正确:我们的记忆并不像 DVD 那样被存储,可以反复播放。每当我们回忆时,记忆都可能再次发生变化。我们的记忆是有选择性的。顺便说一句,我们还会不断用情感为记忆打上标记。您提到的学习中的成功体验,就是非常情感化的时刻,而不仅仅是认知层面的。与此同时,还存在我们称之为“潜意识”的东西。
或许,我们学到的大部分东西,自己甚至都没有意识到在学习。如果我没有察觉到自己正在学习,而这种学习又如此自然地融入日常生活,那么这种学习、这种处理过程又是什么?难道不是我们大部分的学习都是这样发生的吗?
完全正确,因为大脑正是一台庞大的模式识别机器,而我们生活中的大部分活动都基于此。大脑总是试图预测接下来可能发生的事情,以便提前准备反应。举个例子:我的运动项目——乒乓球。一位乒乓球职业选手并没有快到能对对手的快速来球做出即时反应,但他却能预判出球的大致方向,因为他能从对手的动作中提前洞察。这是一个典型的无意识模式识别过程。我们甚至可以通过询问对手“他是怎么做到的”或“他的正手特别厉害”来扰乱其节奏。由此可见,这些过程也可能出现失误。而这种模式识别过程正是学习过程的基础,因为我们能够根据特定的动作流程、情境,甚至视觉或听觉系统的输入,预测接下来的序列,或理解某个物体的含义。例如:我们经常能认出自己被遮挡的汽车——哪怕它被积雪覆盖、光线不佳,或被树叶遮挡。
我们还能识别出被其他物体遮挡的人,能够估算距离。所有这些能力,都是我们在生命过程中通过模式识别习得的,而其中大部分要么直接发生在大脑皮层的感知区域,要么甚至发生在大脑皮层之下,因此往往无法用语言描述。于是,我们说:我们拥有一个庞大的无意识储存库,包括程序性记忆,其规模远大于我们能用语言表达的有意识记忆。有时,我们甚至很难将这些无意识的内容转化为语言。
以开车为例:刚开始学车时,我们必须在脑海中逐步回顾每一个步骤——启动前先看后视镜,确认离合器位置,踩油门,再看侧镜,挂挡,最后转动钥匙。而如今,我们已将这一切变成了自动化的过程。这些原本需要有意识参与的步骤,如今已被转移到无意识层面,使我们能够在开车时专注于交通规则、其他车辆,甚至与乘客交谈。
学习语言也是同理:每一个单词、每一个词汇最初都是一个独立的过程。然后是令人头疼的语法,一切都需要反复思考,不断出错,再重新琢磨。比如现在,我们正用德语交流,但我并没有感觉到有一条平行的“纠错轨道”在旁提醒:“迈克尔是这么说的,现在你该用这个词,并这样组合。”——就像我刚才用开车的例子解释语言学习时提到的自动化过程。那么,这种自动化机制究竟是促进学习,还是阻碍学习呢?
因为,当我努力去正确思考语法、正确表达、找到合适的词汇时,这种努力也让我放慢了节奏——也许当时的表达质量比现在更高,而如今我与您交流的速度相对较快,且没有这种平行的意识(至少我自己没有察觉到)。那么,学习是否意味着始终保持一种自觉意识——“我尚未到达终点”?这种“我尚未到达”的自觉意识,是否正是学得更多、学得更好的先决条件?
从一方面来看,当涉及语言时,必须承认:我们的大脑拥有专门的语言区域,它们在进化过程中被塑造出来,用于处理语言,且功能极其强大。正是这些区域让我们能够在不刻意思考语法的情况下,处理复杂的句法结构。而外语则由大脑中与记忆相关的其他大型区域负责处理,因此我们在使用外语时会明显感到节奏变慢。例如,当我们在某个外语场景中已经习惯了错误的发音时……
实际上,这种情况下需要额叶(即大脑的意识控制区)介入一个已经开始形成习惯的过程。这既费力又耗时,因为它涉及神经回路的重新连接,而每一次突触连接都需要时间,也非常消耗精力,更需要我们调动意志力——而这些正是在习惯和惯例中无需动用的资源。因此,你说得对,这个过程既费力又会让人放慢节奏。
另一方面,我们还要强调:如果我们想实现特定的学习目标——无论是在学校、职业培训、大学学习还是体育运动中——都必须设定明确的目标。设定阶段性目标,并不断确认自己是否已达成这些目标,是否采用了正确的方法来实现它们。此时,向他人寻求建议往往大有裨益,比如经验丰富的学习者——在学校里可能是老师,有时也可能是导师或高年级学生——他们能够给出实用的建议。在职业培训中,则是培训师。在每一个阶段,都有人能为我们提供指导。
但最关键的一点,正如你所说:如果我们真的想在某件事上变得更好,那么仅仅靠盲目行动是无法实现的——比如每天慢跑20次,却总是重复同一条路线,从不思考自己想要达到什么目的。外语学习也是同理。尤其在外语学习中,重要的不是一开始就立下“说一口流利外语”的宏大目标,而是先确保自己能在银行柜台应对自如,能在火车站顺利交流。当这些小目标实现后,再尝试聊聊天气。这些小小的阶段性目标之所以重要,一方面是为了获得成就感,另一方面也是为了让大脑明确:我何时达成了目标?我需要反馈来不断进步。而最重要的是,我必须有犯错的勇气。
我必须清楚地认识到:大脑在学习新事物时会犯错,而大脑本身也总是在试图从错误中学习。然而,我们自己却常常倾向于回避错误情境,结果反而阻碍了学习——因为害怕犯错,我们甚至不敢迈出第一步,不敢开始学习。
这里还需要补充一点:当你说我们倾向于回避时,其实也是大脑在起作用,它会说:“嘿,你一方面想学习,但我——另一方面——在这个脑区里其实已经不太想继续了。”这不禁让我产生一个极为关键的疑问:一个人是否真的能决定“我不想再学习了”?
好在人无法做到这一点,因为他无法阻止自己思考,无法阻止自己积累经验。但这里想表达的是:在特定的教学单元中,一个人可能会拒绝继续学习新知识,以抵触既定的目标。或者以老年群体为例:面对新技术发明——从导航仪到智能手机再到平板电脑——有些人会说:“我们不想学,也不打算用。”这自然令人遗憾,因为这种态度源于一种误解,即认为自己无法掌握。我之所以用“我们”这个词,是因为某些事情实际上是在大脑与人之间的互动中发生的,而不仅仅存在于我们的头脑中。
因为他人的期望会影响我们对自身的期许,我们永远无法完全摆脱这种影响。比如,年龄刻板印象会告诉我们,某些事情在年纪大了就做不了;性别刻板印象则会限制我们对“女孩或男孩擅长什么”的认知。这些偏见确实会阻碍女孩、男孩,或如前例中的老年人,去尝试新事物,发挥自身的潜能。
既然您刚刚提到了进化论,这里不妨也提一个相关的问题:在学习过程中,人类常常抱有一种近乎“物种优越”的心态,认为唯独自己具备学习能力。但事实并非如此——所有动物都能学习。学习是动物生存的进化本能,就像睡眠一样。每种动物都有其独特的学习方式。
此外,还存在某些特定的记忆形式。比如自传体记忆或情景记忆,它让我们能够回忆起“何时、与谁、经历了什么”。至于动物是否也具备这种能力,目前尚无定论。不过,有研究表明:某些鸟类可能拥有这种记忆,而灵长类动物则尚未确定。当然,这在人类身上与语言能力密切相关,我们无法直接与动物对话。但可以肯定的是,我们的记忆中确实存在与情景、洞察力相关的特定区域,且这些能力在不同物种间呈现出多样化的表现。但归根结底,学习与记忆是每个动物与生俱来的能力。
同时,有一个我们无可争议的话题:以“智力”这个概念为例。智力与学习、神经连接之间有何关联?这些既是神经生理过程,从简化角度看,也是正在发生的技术过程。智力的意义何在?我们为何需要它?又是什么决定了一个人在学习能力上的智力水平?
智力与大脑的运算速度密切相关,且在很大程度上受遗传因素影响——这是不争的事实。也就是说,智力测试所衡量的,主要是我们能够在思维和感知的不同领域迅速生成多种解决方案,并快速判断哪种方案可能正确。这是智力的一个方面。另一方面则是:我们拥有良好的专注力,能够在特定情境下准确区分重要与不重要的信息。这同样构成了智力的内涵。
智力与记忆在这一点上有所不同:记忆可能只有20%源于天赋和先天因素,而80%则取决于我们的记忆能力,即学习的效率与速度。这又与我们已掌握的知识密切相关。
因此,在某一学科中勤奋完成家庭作业、积极思考的学生,最终可能会超越那些天赋异禀但学习懈怠的同学,因为前者能更轻松地将新知识融入已有的知识体系。此外,良好的记忆还体现在其他方面,这让我们意识到,智力与记忆必须区分开来,因为它们是人类的不同能力,且分别对应不同的大脑区域。智力在很大程度上受遗传因素影响,而记忆则更多取决于我们学习的方法以及已积累的知识量。这也再次强调了在能力导向的学习中,不能忽视知识本身也是一种能力。
那么,知识的重要性究竟体现在何处?知识越丰富,我们对世界的感知就越细腻,思考世界的方式就越深入,在世界中的行动也越精准,提出的问题也更具针对性。因此,知识——以记忆的形式——仍然是人类极为重要的特质,其重要性丝毫不亚于,甚至可能超过智力本身。
您提到,学习过程中,成功时刻令人振奋:大脑分泌些许多巴胺,生活顿时变得美好。但另一方面,又有这样一句名言:“人从错误中学到的,比从成功中学到的更多。”这究竟是否属实,还是说这只是一本哲学著作的宣传噱头?不过,从神经心理学的角度来看,这句名言确实有其对应依据:那些愿意拥抱动态自我认知的人——即愿意通过错误来学习的人——往往能更高效地学习,更从容地应对挑战,并在职业生涯中取得更大的成功。
因此,这句名言不无道理。但它并不完全适用于所有人,因为许多人从求学阶段开始就被灌输了错误文化:一旦犯错,就意味着“我做不到”,应该避而远之。他们更倾向于只做自己天赋所长的事,错误则被视为洪水猛兽——这是我们从文化中习得的信息。因此,我们是否能将错误视为积极的挑战,还是将其视为应当回避的雷区,很大程度上取决于我们在家庭和学校中的社会化过程。如果只选择做自己擅长的事,就意味着回避新的学习,因为新的学习必然伴随着错误。
此外,用新习惯覆盖旧习惯时,大脑内部会产生冲突,这种冲突往往无法通过语言解决,而需要大量重复才能逐步摆脱旧有的习惯和惯性。这过程艰辛而漫长,正如前文所述。有时甚至无法完全自主控制,由此可见,学习方式与我们如何看待错误密切相关:是否学会了与错误共处?您刚才的观点完全正确:人确实从错误中学习。
那么,是否存在一个学习阶段,根据迄今所有研究,人们对其完全没有记忆?这就是幼年失忆症:从出生后的最初几个月到三四岁,甚至五岁。学界普遍认为,在这些年岁中,个体的身份认同基础、情感结构、认知能力以及与学习和世界的关系都已奠定。最重要的东西其实已经习得:比如,你需要进食,必须进食,如何生存下去?
这一阶段对人生的影响何在?在幼儿的生活中,生命本身被充分体验,却没有任何记忆留存。“我完全不记得了。您真的相信自己能回忆起那个时期吗?”通常,人们补充道:“都是父母告诉我的,比如‘你做得真棒,你很乐意接受’。”但这一阶段与学习和身份认同(即学习过程的结果)之间究竟有着怎样的关系?
是的,一方面我们必须注意,学习与记忆不能简单等同于自传体记忆。实际上,学习与记忆涵盖的范围要广泛得多。例如,儿童最迟在两到三岁时就已学会理解语言并表达自我。这种能力自然会伴随他们终生,也是他们在这一阶段习得的全新技能。他们建立情感依恋的能力同样在此阶段奠定,这同样是一种学习成果。正如您所暗示的:我们的部分气质与个性也在此阶段逐步形成。可以说,我们日后生活的诸多方面都在此打下基础,且这些都是通过学习获得的。
甚至有些影响会持续终生——比如,某样食物在两岁时让人感到不适,此后可能一生都不再碰它。这类经历会长期影响一个人的生活,尽管我们无法通过自传体记忆有意识地回溯这些细节。
这与大脑结构密切相关:负责将语言与记忆联系起来的脑区(包括名为海马体的区域)发育较为缓慢,且需通过庞大的“数据高速公路”与大脑皮层相连。而这些“数据高速公路”要到两至四岁才逐步形成,这或许正是我们缺乏语言相关早期记忆的原因。然而,毋庸置疑的是,构成我们日后“人之所以为人”的诸多特质,至少部分是在生命最初的几年里奠定的。
不过,我们也必须指出:人类的身份认同并非仅由某一阶段决定。早期童年固然重要(如您所言,甚至可能被过分强调),但青春期同样扮演着关键角色——例如,额叶在这一阶段会经历全新的发育“工程”。此外,还有毕业、职业起步、组建家庭等其他重要阶段,它们同样塑造着我们的身份与个性。
因此,我们的个性并不只是三岁时或十二岁时的自己,而是我们一生中不断成为的那个人——持续变化,持续发展。同时,社会文化的影响也不容小觑。
在此,我也想将学习与不再学习的议题纳入讨论。无论是三岁还是十四岁,我们都在特定的环境中成长,并对外界影响做出反应。然而,最终塑造我们的,是教育——包括认知层面的熏陶、学校教育,以及道德、文化范畴的培养。这一切都是我们学习的内容,也是一种深刻的塑造。通常而言,这种塑造的力量甚至比青春期渴望挣脱束缚的冲动更为强大。
即便人们移居他国,他们依然会随身携带这份“包袱”。我们看到,在政治辩论中,这种“包袱”往往立即转化为文化或政治后果。那么,如何才能重新调整这些固有模式呢?以偏见的典型画面为例:假设我从小被灌输“戴眼镜的人普遍气味不好”——这虽是荒谬的偏见,却不无可能。甚至可能偶尔得到“验证”,因为并非所有戴眼镜的人气味都好或不好。那么,大脑如何通过学习才能摆脱这类偏见?
偏见本质上是大脑基于极为稀薄的信息密度进行的泛化推断,却由此得出影响深远的结论。正如您所言,偏见甚至能主导我们的感知,只愿看到符合预期的证据,从而形成一种自我实现的预言。由于我们对相反的信息视而不见,偏见便不断自我强化。
更棘手的是,当我们遭遇所谓的“认知失调”时——即眼前的现实与预期不符——我们往往难以应对。
解决之道或许在于反思:“我的预期是否有误?”或者干脆将其合理化:“比如在电子工程课上,女性表现得更擅长社交,这不也符合‘男女有别’的刻板印象吗?”我常在别人身上听到类似言论,并因此感到愤慨,却忽略了一个事实:每个人都有偏见,而我自己也应从自身偏见开始审视与修正。
偏见根深蒂固,往往难以用语言直接触及。唯一有效的途径是创造新的体验——比如旅行、接触多元经历,同时反思自身的行为与思维:“你为何会有这种想法?比如,你为何觉得眼前的情境不安全?是因为天黑?还是因为不认识的人?抑或你无法准确判断?又或者只是因为在电影里看到过,长成那样的人总是特别危险?”实际上,我们需要的是额叶的“发明”——它能够调控本能反应与惯性思维(偏见无非是后者的一种表现),通过有意识的过程加以纠正。
再稍作深入:以种族主义者或反犹仇恨为例。我们常说,教育与知识是应对这类政治问题的有效工具,尤其对年轻人而言。然而,在极右翼思潮中,教育程度或教育缺失并非决定性因素。对于这类基于情感的误判与偏见,情感本身才是关键所在。
那么,对于那些将情感信念视为知识、并通过带有偏见的视角看待世界而不断寻求自我验证的人,我们该启动怎样的学习过程呢?关键在于:只有学会对自身及世界进行反思性思考,才能免受偏见的侵蚀。这正是教育的核心意义——质疑所见所闻,同时审视自我。
但需警惕的是,不要将教育等同于完成既定的知识体系。仅仅读过六本德语文学作品或十二本历史书,并不意味着具备了反思性思维。教育的真谛始终在于质疑。而那些学会了质疑自身与人际关系、并能坦然面对自身可能存在的偏见的人,才是真正掌握了学习之道的人。
你可能学识渊博,却未曾习得这种能力——那又如何?这意味着你将面临真正的问题:你看不见自己的偏见,只能活在大脑虚构的世界里。我们总是选择性地感知世界的某些方面,而偏见便会因此愈发根深蒂固。正如之前提到的“戴眼镜者气味”例子:几次巧合的印证,便会强化这种偏见。因此,我们必须认识到,知识本身带有不确定性。
我们必须懂得质疑事物,必须承认自身的局限,并理解世事鲜有简单之理。现在需要明确的是——这些都需要通过学习来掌握。反过来问:是否存在某些无法习得或学不会的东西?确实存在——不妨将思考比作千足虫。我刚才所言,意味着需要逐一审视每一个想法、每一次感知的真实内涵。但这样我们连开车都无法进行:红绿灯是否真的在那里?是否可能稍微偏左?骑行者是否真的行为不当,还是仅仅出于我的主观感受?这意味着,我们只能在特定时刻审视部分内容,而非事事都刨根问底。有时,明确的文化共识能提供帮助——社会普遍不接受的行为,便无需再三思量。例如在极右翼领域,若社会规则清晰,人们对某些行为(如种族主义言论)便不会深究。然而,当这些社会契约被打破——无论是通过用词、氛围,还是媒体报道的倾向性(某些新闻被刻意放大以影响认知)——社会共识便会瓦解。人们不再遵循公认的公平规则,反而频频越界,进一步固化偏见。于是,偏见不仅变得可见,更会体现在具体行动中,而民主的根基,也正系于此。
人们可以通过学习民主的运作方式、如何施加影响以及如何参与其中来掌握民主。我们在选举班级代表时就能看到这一点:这是一个技术性的学习模块。诚然,这种模块并不能深入持久地影响我们。是的,它是正确的,但许多文化成果——而我们的大脑始终对文化成果保持开放——都是人与人之间的约定。我们的记忆有能力学习新知、体验新事物。然而,这自然也可能适得其反。
学校——本应是学习的理想场所,甚至是最佳场所?
它当然不是最佳的学习场所,但却是唯一一个我们能够学到那些不愿主动学习的内容的地方,也是唯一一个能够系统地向我们传授关于世界及其运行规律的地方。
万分感谢!无论如何,我今天确实学到了不少,也为此由衷感谢。愿我们都能不断学习,收获更多。